Neubau Kompass München 1/2022

(KF) Fabian Herdieckerhoff hat eine Leidenschaft für edle Zeitmesser. Schon als Jugendlicher kam er mit der Welt der exklusiven Uhren in Berührung. Heute unterstützt er als Uhren-Concierge und -Kurator andere Sammler mit seiner langjährigen Expertise. Dazu gehört auch, selten auf dem Markt erscheinende Uhren, etwa aus limitierten Aufl agen, zu beschaff en oder Investmentkonzepte zu entwickeln. Im Interview erklärte er uns, warum Uhren ein gutes Investment sind.

Herr Herdieckerhoff, geht es auf dem Markt für Luxusuhren ähnlich verschwiegen zu wie auf dem Kunstmarkt?

Fabian Herdieckerhoff: Das hängt vom Preisniveau ab. Wenn Sie den breiteren Luxusmarkt sehen, dort würde ich Uhren mit einem Wert bis 10.000 Euro einordnen, dann ist es recht off en und auch demokratisch. Es gibt eben mittlerweile so viele Marktteilnehmer*innen, dass es schwer ist, den Überblick zu behalten. Daher helfe ich meinen Kunden als Concierge, der an den tatsächlichen Geschäften nicht beteiligt ist, den besten Geschäftspartner auszuwählen. Wenn es allerdings um Geschäfte mit Uhren geht, die extrem selten und gesucht sind, so wie aktuell z.B. die Patek Philippe Nautilus mit Tiffany-Zifferblatt, die bei einer Auktion über 5 Millionen Dollar erzielt hat, dann ist das Geschäft tatsächlich extrem verschwiegen. Die Öffentlichkeit wird niemals erfahren, welcher Sammler die Uhren gekauft hat. Das ist schon aus Sicherheitsgründen unerlässlich.

Welche Marken oder Modelle sind begehrt und schwer zu finden? Welche sollten in keiner Sammlung fehlen?

FH: Aktuell sind alle Tauchermodelle von Rolex, nicht nur die seit vielen Jahren schwer zu findende Daytona in Stahl, sehr schwer und weit über dem Listenpreis zu bekommen. Des Weiteren sind die Patek Philippe Nautilus als heiliger Gral der Sammler und einige Royal-Oak-Modelle von Audemars Piguet sehr begehrt und extrem teuer auf dem Sammlermarkt. Ich rate meinen Kunden neben diesen Modellen auch zu ähnlich legendären Modellen von anderen Marken wie die IWC Portugieser und älteren IWC-Fliegeruhren. Auch die Lange 1 von Lange & Söhne und einige Reverso-Modelle mit Komplikationen von Jaeger-le-Coultre sind eine gute Grundlage für eine Sammlung. Der neueste Trend sind besondere Modelle von Cartier, die mehr und mehr aufgrund ihres legendären Designs gesucht werden und noch bezahlbar sind. Hier biete ich meinen Kunden eine besondere Kompetenz, da ich am Anfang meiner Karriere als Produktmanager für Uhren im Hause Cartier beschäftigt war und die vielen Modelle und Varianten genau kenne.

Kann es auch bei Uhren – wie bei Immobilien – zu einer Preisblase kommen? Raten Sie auch mal zum schnellen Verkauf?

FH: Definitiv! Ich sehe jetzt, dass bei den genannten Rolex-Modellen und auch bei Patek Philippe das Ende der Preisentwicklung gekommen ist. Wenn ein Kunde in erster Linie an der Wertsteigerung eines Modells interessiert ist und er nicht aus sammlungstechnischen oder persönlichen Gründen daran hängt, rate ich jetzt, einige Modelle zu verkaufen. Allerdings gilt auch hier genau abzuwägen, welche Verkaufsvariante das beste Resultat bringt. Das kann ein Verkauf an einen anderen Sammler sein, an einen Händler oder bei ganz besonderen Stücken am besten auf einer Auktion eines weltweit renommierten Hauses. Der Markt ist global, daher sollten Sammler immer über ihr eigenes Land oder gar den Kontinent hinaus nach dem passenden Geschäftspartner Ausschau halten. Auch hier bin ich meinen Kunden sehr gerne mit meinem Netzwerk behilflich.

Vielen Dank für das Interview,
Herr Herdieckerhoff!