Audemars Piguet
Seit 1881 in Le Brassus


Schon die Vorfahren von Jules-Louis Audemars und Edward-Auguste Piguet waren Uhrmacher
So geschehen von Jules-Louis Audemars und Edward-Auguste Piguet. Ersterer war Mitglied einer hugenottischen Familie aus Grenoble. Nach der Übersiedlung ins Vallée de Joux zu Beginn des 16. Jahrhunderts war sie im gleichermaßen malerischen Hochtal ansässig. Die Piguets zählen zu den ältesten Familien des Jouxtals. Konkret lässt sich ihre Geschichte bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Möglicher Weise gehörten sie zum Kreis der frühen Einwanderer, welche sich gegen 1264 in dieser abgeschiedenen Gegend niederließen. Beide dieser jungen Männer verband jedoch nicht nur ihre geografische Herkunft, sondern einiges mehr: Schon ihre Vorfahren waren Uhrmacher. Deshalb hatten auch sie sich diesem Handwerk zugewandt.
Beide verfügten über großes Talent und hohe Ambitionen hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft. Jeder von ihnen wollte eines Tages in eigener Verantwortung Werke und komplette Uhren feinster Qualität anfertigen. Einendes Element war schließlich auch die gründliche Ausbildung zum Repasseur durchlaufen, einem Berufszweig, der damals als „Aristokrat“ unter den Uhrmachern galt. 1875 kehrte Jules Audemars nach Abschluss seiner Ausbildung in den Heimatort Le Brassus zurück. Im kleinen Bauernhaus seiner Eltern startete die Anfertigung komplizierter Uhrwerke. Gelegentlich half Edward Piguet, welcher ihm von Schule, Sportverein und Chor bekannt war. Im Rahmen ihrer regelmäßigen Begegnungen diskutierten sie über Möglichkeiten, Gutes noch besser, Anspruchsvolles noch bereits aufwändiger zu machen. Sukzessive reifte in ihnen der Entschluss, ihren beruflichen Lebensweg gemeinsam zu beschreiten. In diesem Sinne gründeten das Duo am 17. Dezember 1881 in Le Brassus ihre eigene Firma Audemars, Piguet & Cie. Schon zu Beginn des Jahres 1882 präsentierten sie erste komplizierte Taschenuhren u.a. mit ewigem Kalender, Minutenrepetition oder Chronograph.
Auf der Pariser Weltausstellung mit der „Grande Complication“
1889 ehrte die Jury der Pariser Weltausstellung ihre „Grande Complication“ Taschenuhr mit Chronograph-Rattrapante, ewigem Kalender und Minutenrepetition durch Zuerkennung einer Medaille. 1891 sorgte das damals weltweit kleinste Uhrwerk mit Minutenrepetition, Durchmesser knapp 18 mm, für Aufsehen. Ein Jahr später entstand in den Ateliers für Louis Brandt die erste Armbanduhr mit Minutenrepetition.
Solche und andere Spitzenleistungen verschafften Audemars, Piguet & Cie. weltweite Reputation. Neben den bereits vorhandenen Repräsentanzen in London und Paris gründete die Firma deshalb weitere in Berlin, New York und Buenos Aires.
Nach dem Ableben von Jules Audemars im Jahr 1918 und Edward Piguet 1919 wandten sich die Erben in verstärktem Maße auch der Entwicklung und Herstellung hochwertiger Armbanduhren zu. Im Verkaufskatalog des Jahres 1928 finden sich rechteckige, quadratische, kissen‑ und tonnenförmige Modelle mit einfachem Kalendarium und Mondphasenindikation, mit springender digitaler Stundenanzeige oder Chronograph. 1934, als die schwere Weltwirtschaftskrise ihren Höhepunkt erlebte und die Verkäufe gegen Null tendierten, besann sich Audemars Piguet auf die hohe Kunst des manuellen Skelettierens von Uhrwerken. Der Zweite Weltkrieg und der steigende Bedarf an Armband‑Chronographen in den Vereinigten Staaten von Amerika führten zu nachhaltiger wirtschaftlicher Prosperität. 1946 gelangte das 1,64 mm flache Handaufzugs-Kaliber 2003 für Armbanduhren auf den Markt – damals ein Weltrekord. Eine wahre Blütezeit setzte in den 1950-er Jahren ein. In dieser Epoche präsentierte Audemars Piguet u.a. seine ersten Armbanduhren mit ewigem Kalendarium.
Audemars Piguet Royal Oak
Auf Georges Golay, den ersten externe CEO, und den von im beauftragten Designer Gérald Genta geht das unangefochtene Leadermodell in der Audemars‑Piguet‑Kollektion zurück. Die 1972 vorgestellte „Royal Oak“ initiierte den Trend sportlich-eleganter Luxus-Armbanduhren mit Stahlgehäuse. Aktuell tragen die klassische Version und die opulentere „Offshore“ etwa 80 Prozent zum Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro bei. Beispielgebend wirkte auch die ab 1978 mit großem Erfolg produzierte Armbanduhr mit ultraflachem ewigem Kalender. Ein weiterer Meilenstein war 1986 das weltweit erste Serien-Tourbillon fürs Handgelenk. Lange Zeit war dessen Automatikwerk das flachste seiner Art.
Eine der letzten Traditionsmanufakturen
Gegenwärtig ist Audemars Piguet eine der letzten Traditionsmanufakturen, welche sich immer noch mehrheitlich im Besitz der Gründerfamilien befindet. Auf dem Gebiet mechanischer Komplikationen gibt es bei AP so gut wie nichts, was es nicht gibt. Dafür sorgt auch die einschlägig erfahrene Tochter Renaud & Papi in La Chaux-de-Fonds. Für die beinahe 50 Jahre alte Royal Oak in Edelstahl, Referenz 15202 ST, stehen die Kunden inzwischen Schlange. Gleichgeblieben, mittlerweile jedoch gründlich optimiert ist ihr Automatikkaliber 2121. Alles zur Geschichte und dem breiten Produktspektrum von Audemars Piguet zeigt das 2021 neu eröffnete Firmenmuseum in architektonisch eindrucksvollem Ambiente am Gründungsort Le Brassus.
Gisbert L. Brunner