Longines

Seit 1832 in Saint Imier

Longines

Longines
Den kometenhaften Aufstieg zur unangefochtenen Nimmer 2 unter den Swatch Group-Marken hat Longines ganz zweifellos Walter von Känel zu verdanken. 1969 war der Ex-Zöllner und Mitarbeiter einer Zifferblattfabrik zu jener Uhrenmarke gestoßen, deren Geschichte 1832 mit Auguste Agassiz begonnen hatte. Der 23-jähriger Kaufmann ließ sich als aktiver Teilhaber des „Comptoir Raiguel Jeune“ in Saint Imier nieder. Blendende Geschäfte ermöglichten es Agassiz im Jahr 1847, seinen Partner auszahlen und den Betrieb in Comptoir Agassiz & Cie. umzubenennen. Gesundheitliche Probleme brachten den Neffen Ernest Francillon 1854 im Alter von nur 20 in die leitende Position. 1866 erwarb er das Gelände „Les Longines“. Infolge reichlich vorhandener Wasserkraft der angrenzenden Suze taugten „Die länglichen Wiesen“ zur Errichtung eines Fabrikgebäudes. Auf selbst entwickelten Maschinen entstanden erste Präzisionsuhren mit der Signatur „E. Francillon, Longines, Suisse“. Bereits 1878 leitete Francillon die Entwicklung und Herstellung praktischer Chronographen in die Wege. Diesem anspruchsvollen Bereich der Uhrmacherkunst widmete sich Longines danach mit Ausdauer und Intensität. Die legendären Manufakturkaliber 13.33 Z von 1913, 13 ZN von 1936 und 30 CH von 1947 stehen bei Kennern hoch im Kurs. 1880 beantragte Francillon beim Berner Bundesamt für geistiges Eigentum offiziellen Schutz für „Longines“. Und ab 1889 gibt es die „geflügelte Sanduhr“ als Markenzeichen.

Zusammenarbeit mit Charles A. Lindbergh

Gesuchtes fürs Handgelenk resultiert auch aus der Zusammenarbeit mit Charles A. Lindbergh, welcher am 21. Mai 1927 den Atlantik mit seiner „Spirit of St. Louis“ im Alleinflug überquert hatte. Die gemeinsam entwickelte Stundenwinkel Armbanduhr erleichterte vielen Piloten die das Navigieren auf Überseestrecken. Das letzte Longines Manufakturkaliber, eine innovative Automatik mit zwei Federhäusern, debütierte 1970 unter der Bezeichnung 990 oder E‘. Und damit zurück zu Walter von Känel, einem 1941 geborenen Glücksfall für die altehrwürdige Marke. Sein Aufstieg zum CEO im Jurastädtchen dauerte exakt 19 Jahre. Die negativen Auswirkungen der Quarz-Krise sowie die Integration der 1832 gegründeten Traditionsmarke in die Swatch Group erlebte er ebenso hautnah mit wie die 1984 ausgegebene Weisung, dass Longines und Kollegen ihre Uhrwerke aus ökonomischen Gründen von der Eta kaufen mussten. Dort sicherte dieser Beschluss seines Chefs Nicolas G. Hayek die überlebensnotwendigen Stückzahlen. Walter von Känel machte das Beste daraus und formte Longines durch klare Produkt- und Preispolitik ab 1988 sukzessive zum Stückzahl-Millionär. Genaue Umsatzzahlen werden traditionsgemäß nicht genannt, aber 1,5 Millionen Exemplare und gut eine Milliarde Euro Umsatz dürften grosso modo zutreffen. Computer, Powerpoint-Präsentationen und Excel-Tabellen lehnte der 2020 nicht ganz freiwillig in den Ruhestand Versetzte aus innerer Überzeugung ab. Ihm gelang die nicht ganz einfache Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne. Liebhaberinnen und Liebhaber klassischer mechanischer Zeitmesser bedient Longines ebenso wie Menschen, welche eine preisgünstige Armbanduhr mit klangvollen Namen und elektronischem Quarzwerk suchen. Aus der Tatsache, Eta-Kaliber verwenden zu müssen machte Walter von Känel übrigens eine Tugend. Durch enge Kooperation mit dem Werkegiganten unter dem Dach der Swatch Group entstand Exklusives wie zum Beispiel das L.688.2. Bei Eta nennt sich das Automatikwerk mit klassischer Schaltradsteuerung für den Chronographen A08.231. Nach mehrjähriger, im Jahr 2009 gestarteter Entwicklungsarbeit erfolgt die Produktion speziell im Auftrag von Longines. Trotz günstiger Verkaufspreise erwirtschaftet Longines beachtliche Gewinne. Dem Vernehmen nach liegt die erzielte Marge deutlich über 30 Prozent. Speziell in China eilt seit vielen Jahren Longines von Erfolg zu Erfolg. Jede Menge Werbung und Testimonials machen es möglich.

Gisbert L. Brunner