Heuer, TAG-Heuer
Die Liebe zu Chronographen


Revolutionäre Chronographen für den Sport
Mit dem „Mikrograph“ lancierte Heuer 1916 eine revolutionäre Stoppuhr mit Hundertstelsekunden-Stoppgenauigkeit. Sie brachte das Familienunternehmen der Zeitnahme bei Olympischen Spielen ein gutes Stück näher. Der „Semikrograph“ erfasste Zeitabläufe halb so genau. „Mikrosplit“ und „Semikrosplit“ hießen die jeweiligen Pendants mit zusätzlichem Schleppzeiger. Diese exklusiven Modelle und andere Heuer-Stoppuhren gelangten 1920 bei den Olympischen Spielen in Antwerpen, 1924 in Paris und 1928 in Amsterdam zum Einsatz. Ab etwa 1927 betätigte sich die Firma als offizieller Zeitnehmer bei der legendären Atlantik-Überquerung des Zeppelin sowie bei zahllosen Ski-, Bob- und Autorennen.
Schon 1913 hatte Heuer auch die Armbanduhr entdeckt. Zunächst lancierte die Marke kreative Damenuhren, kleine Modelle mit Gold- oder Lederband, in denen winzige Werke tickten. Später gesellten sich eher maskuline Stoppuhren und Chronographen fürs Handgelenk hinzu. 1919 übernahm Heuer für 90.000 Franken die Marke Jules Jürgensen samt Museum und Lager. Unter diesem Namen entstanden bis 1936 hochwertige Taschen- und Armbanduhren. Als beredte Beispiel für den Erfindungsreichtum können die 1949 vorgestellte „Solunar“ und der 1950 folgende „Mareographe“ gelten. Beide informierten Angler, Segler oder anderen Seefahrer über die Gezeiten. diese hilfreichen Neuentwicklungen einer überaus positiven Resonanz.
Seit 1963: Die TAG-Heuer Carrera
1963 präsentierte Jack W. Heuer die von Sachlichkeit geprägte Chronographen-Linie „Carrera“. Im gleichen Jahr fusionierte Heuer mit Leonidas, dem größten Mitbewerber auf dem Chronographen-Sektor. 1965 lancierte die neue Heuer-Leonidas S.A. den ersten Chronographen mit digitaler Datumsanzeige durch nur einen bedruckten Ring. 1969 verbaute Heuer erstmals das zusammen mit Breitling, Büren und Dubouis-Dépraz entwickelte Kaliber 11. Neben dem Selbstaufzug durch einen Mikrorotor verfügte es über einen Chronographen.
Neue Eigentümer: Techniques d’Avant‑Garde, kurz TAG
Bis 1982 war die Leitung des Familienunternehmens von einer Heuer-Generation auf die nächste übergegangen. Dann forderte die Quarz-Revolution ihren Tribut. Die Sanierung erfolgte durch Zeichnung neuen Aktienkapitals. Jack W. Heuer musste seine Anteile auf null schreiben und durfte keine neuen Anteilscheine erwerben. Ab 1985 hießen die Eigentümer Techniques d’Avant‑Garde, kurz TAG genannt. Sie benannten Heuer um in TAG‑Heuer. 1996 erfolgte ein Börsengang. Das bis in die Gegenwart währende Kapitel findet unter dem Dach des französischen Luxusmulti LVMH oder in Langform Louis Vuitton Moët Hennessy statt.
2013 eröffnete TAG Heuer seinen vierten Manufaktur-Standort in der Ortschaft Chevenez. Dort entsteht unter anderem das erste selbst entwickelte Chronographenwerk Heuer 02. Als 02T ist es auch mit einem Tourbillon erhältlich. Diese intelligent konstruierte Kombination von Selbstaufzug, Stopper und Drehgang ist bereits für deutlich weniger als 20.000 Euro erhältlich. Elektronik-Freaks mit hohem Informationsbedarf bekommen bei TAG Heuer auch eine multifunktionale Smartwatch.
Gisbert L. Brunner