Chopard
Vom Etablisseur zur Uhrenmanufaktur


Seit 1988: die Chopard Mille Miglia
Nach der Übernahme ging es mit Chopard steil bergauf. In Genf entstehen Gehäuse, Bänder und Schließen unter dem eigenen Dach. Den Löwenteil des Umsatzes beschert weiterhin wie auch immer Schmückendes. Auf dem sportlichen Sektor dominiert die 1988 durch das Sponsoring der italienischen Oldtimer-Rallye „Mille Miglia“ etablierte Uhrenlinie gleichen Namens.
Seit dem Start der L.U.C-Kaliberfamilie im Jahr 1996 spielt Chopard in der Kleinstadt Fleurier eine wichtige Rolle. Dort entwickelte sich die Familien-Manufaktur im Laufe der Jahre zu einem der wichtigsten Arbeitgeber. Jährlich entstehen rund 8.000 hochwertige Manufakturkaliber von der eigenen Mikrorotor-Automatik bis hin zur exklusiven Minutenrepetition mit wohl tönen Saphirgongs. Ein zweites Standbein trägt den Namen „Fleurier Ebauches SA“. Mit ihm kehrte 30 Jahre nach Schließung altehrwürdigen „Fabrique d’Ebauches de Fleurier“ die industriell geprägte Rohwerkefertigung ins abgeschiedene Val de Travers zurück. In unmittelbarer Nachbarschaft des L.U.C-Gebäudes konnte Chopard das Fabrikgebäude des Maschinenfabrikanten Tornos erwerben und aufwändig unter Beachtung höchster Umweltstandards sanieren. Im Gegensatz zu den von viel Handarbeit geprägten L.U.C-Kalibern entstehen im langestreckten Bauwerk kostengünstigere aber keineswegs billigere Uhrwerke.
Der Wandel vom Etablisseur, also einem Fertigsteller von Uhren aus zugekauften Komponenten zur waschechten Manufaktur war ein echter Kraftakt. Erstartete 1992, als Co-Präsident Karl-Friedrich Scheufele, der Sohn von Karl und Karin den Startschuss zur Entwicklung eines flachen Automatikwerks mit Mikrorotor gab.
Das L.U.C 96.01-L löste in der Tat eine beispiellose Mechanik-Initiative aus. Die seitdem aus der Taufe gehobenen Kaliberfamilien bilden nahezu die gesamte Palette anspruchsvollen uhrmacherischen Schaffens ab. Zur Werkespektrum gehören u.a. das 2000 lancierte L.U.C 98-01 L „Quattro“ mit vier seriell geschalteten Energiespeichern und 216 Stunden Gangautonomie sowie das selbst entwickelte Handaufzugs-Tourbillon L.U.C 02.01-L von 2003. 2005 brachte das L.U.C 96.13-L mit ewigem Kalender, 2006 ein erstes Schlagwerks-Oeuvre namens L.U.C 96.14-L. Das Automatikkaliber L.U.C 03.02-L von 2007 verfügte über einen innovativen Flyback-Chronographen mit Selbstaufzug. Als einer der Höhepunkte kann das L.U.C 05.01-L „all in one“ von 2010 gelten. Es vereint bis dahin Entwickeltes und neue Komplikationen in einem Gehäuse. 2012 lieferte Chopard beim L.U.C 01.06-L den Beweis, dass flotte acht Hertz Unruhfrequenz die Gangautonomie nicht reduzieren müssen. Klassischen Handaufzug bieten schließlich die feinen Kaliber L.U.C 06.01-L und L.U.C 63.01-L. 2016 brachte die L.U.C 01.05-L Automatik mit Zeitzonen-Dispositiv. Vom Kaliber L.U.C 08.01-L war bereits die Rede. Mit seiner Minutenrepetition gehört es zur anspruchsvollsten Spezies mikromechanischer Kunstfertigkeit. Und besagte Saphirgongs belegen, dass die tradierte Uhrmacherei mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende angekommen ist.
All jenen, welchen L.U.C noch nicht genug ist, bietet Ferdinand Berthoud deutlich Exklusiveres. Bis 1727 reicht die Geschichte dieses bedeutenden, zwischenzeitlich aber in Vergessenheit geratenen Namens zurück. Dem Genie sind unter anderem bedeutende Chronometer zur Navigation auf hoher See zu verdanken. 2015 bescherte ihm Karl-Friedrich Scheufele ein Comeback auf höchstem Niveau. Limitierte Mini-Auflagen der nun fürs Handgelenk bestimmten Zeitmesser entstehen in einer kleinen, unter dem Dach von L.U.C angesiedelten Chronométrie.
Gisbert L. Brunner