Zenith

Zenith heißt ganz oben

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Wer, wie die Uhrenmanufaktur Zenith mehr als 1.500 Observatoriumspreise, Medaillen und sonstige internationale Ehrungen für Leistungen auf dem Gebiet der Feinuhrmacherei vorweisen kann, hat definitiv etwas zu erzählen. Von solch vielfältige Lorbeeren wagte der junge Georges Favre‑Jacot 1865 wohl nicht einmal zu träumen. Gerade einmal 22 Jahre alt, hatte er in Billodes, einem Ortsteil von Le Locle, den Sprung in die berufliche Selbständigkeit vollzogen. Sein erklärtes Ziel bestand in der rationellen und daher preisgünstigen Produktion möglichst präziser Taschenuhren. In diesem Zusammenhang setzte der Jungunternehmer auf die so genannten amerikanischen Methoden. Dahinter verbarg sich präzise Serienfertigung zum Zweck der problemlosen Austauschbarkeit defekter Komponenten. Bei der praktischen Umsetzung seiner Vorstellungen kristallisierte sich rasch die hohe Bedeutung zeitgemäßer, u.a. von Automatisierung und Maschineneinsatz getragener Fertigungsmethoden heraus. Bis zum Jahr 1911 führte Georges Favre‑Jacot sein Unternehmen als Personengesellschaft ohne speziellen Namen. Trotzdem verschafften ihm seine kunstvollen Pendulen und hoch präzisen Taschenuhren auch in den Nachbarländern hohes Renommée. Kurz nach der Jahrhundertwende erkannte der Patron die zwingend notwendige Erschließung außereuropäischer Märkte für dauerhaftes Wachstum seiner Uhrenfabrik. Deshalb schickte er James Favre auf lange und ausgedehnte Reisen. Diese führten seinen Neffen beispielsweise in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Russland und sogar schon nach China. Von dort brachte er attraktive Aufträge zurück nach Le Locle. Besagtes Jahr 1911 steht in der Firmengeschichte auch für die Umwandlung der Personengesellschaft in eine Aktiengesellschaft. Mit Gründung der Zenith SA bekamen die Uhren auch einen Namen, der rasch deutlich auf Zifferblättern, Werken und Gehäusen zu lesen war.

Ab dem Ersten Weltkrieg beschäftigte sich Zenith zunehmend der Armbanduhr. Neben normalen Handaufzugsmodellen für Damen und Herren entstanden bald schon Zeitmesser mit Zusatzfunktion wie Wecker oder Chronograph. In der Periode zwischen den beiden Weltkriegen tauchte der Name Zenith regelmäßig ganz oben in den Ergebnislisten der eidgenössischen Chronometer-Wettbewerbe auf. Die Erfolgsserie reichte bis hin zum absoluten Genauigkeitsrekord für einen Taschen‑Chronometer.

Zenith El Primero Kaliber seit 1969

Besondere Bedeutung haben im Zusammenhang mit Armbandchronometern die Kaliber 126, 133, 135 erlangt. Mit seiner riesigen Unruh erzeugt letztgenanntes Handaufzugswerk in den Augen von Sammlern und subtilen Kennern der Materie spontanes Leuchten. Großes Aufsehen erregte die Manufaktur 1969 mit der Präsentation des Automatikkalibers 3019 PH(x) El Primero. Von Anfang an gab es das weltweit erste Uhrwerk mit Zentralrotor, Schaltrad-Chronograph und flotten fünf Hertz in zwei Ausführungen. Zur Wahl standen entweder Fensterdatum oder einfaches Vollkalendarium und Mondphasenanzeige. Als die damit ausgestatteten Modelle am Markt langsam Fuß fassten, war durch die heranrollende Quarzwelle massive Krisenstimmung angesagt. Mitte der 1970-er Jahre endete die Produktion. Aber zum Glück versteckte Charles Vermot, ein unbeugsamer Uhrmacher, Pläne, Werkzeuge und verbliebene Komponenten am weitläufigen Dachboden des alten Manufakturgebäudes. So konnte Zenith mit Beginn der Mechanik-Renaissance wieder liefern.

Im Premierenjahr 1969 war die Manufaktur in der der Holding „Mondia ‑ Zenith ‑ Movado“ aufgegangen, an der die amerikanische Zenith Radio Corporation 1971 eine Mehrheitsbeteiligung erwarb. 1978 übernahm die Finanzgruppe DIXI die Aktienmehrheit. 1999 gelangte die Traditionsmanufaktur unter die Fittiche des französischen Luxusmulti LVMH. Zugpferd des Produkt-Portfolios ist und bleibt „El Primero“ in unterschiedlichen Ausführungen. 1994 lancierte Zenith auch ein klassisches Automatikwerk, das den übergeordneten Namen „Elite“ trägt.

Zu den aktuellen Errungenschaften zählen das zum Beispiel in der „Defy El Primero 21“ verbaute Automatikkaliber 9004 mit zwei Unruhn. Die für den Stopper agiert mit 50 Hertz und ermöglichst das Erfassen von Zeitintervallen auf die Hundertstelsekunde genau. Der Gangregler für das normale Uhrwerk oszilliert wie gehabt mit fünf Hertz. Als Nachfolgerin des altbewährten El Primero-Kalibers von 1969 versteht sich das neue EP3600. Wegen der hohen Umlaufgeschwindigkeit des zentralen Chronographenzeigers erfolgt der Antrieb des Stoppmechanismus von dem während vier Sekunden um 360 Grad rotierenden Ankerrad. Schließlich gehört zu den chronometrischen Innovationen auch der 2019 vorgestellte „Defy Inventor“. Beim exklusiven Automatikkaliber Zenith 9100 ersetzt ein monolithischer Oszillator die rund 30 Komponenten des herkömmlichen Schwing- und Hemmungssystems. Lager und drehende Teile werden dadurch vollkommen überflüssig. Das eindrucksvolle Gebilde besteht aus monokristallinem Silizium. Eine Oxidschicht macht es unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen. Und das ist unabdingbare Voraussetzung für optimale Ganggenauigkeit. Die Frequenz des Bauteils liegt bei 18 Hertz. So kann möglicher Weise die chronometrische Zukunft bei Zenith aussehen, falls eine problemlose Serienproduktion gelingt.

Gisbert L. Brunner

Bekannte Zenith Uhren

  • Zenith El Primero

  • Zenith Defy

  • Zenith Chronomaster