Baume & Mercier
Einsteigermarke der Richemont SA


Sechs Medallien für die Baume Frères
Durch hochwertige Produkte konnten die Baume Frères insgesamt sechs Medaillen erringen. Aufsehen erregte 1892 die goldene Lépine-Taschenuhr mit der Nummer 103018. Das von Albert Pellaton-Favre angefertigte Minutentourbillon mit Chronometerhemmung erreichte vorzügliche Gangleistungen. Beim Kew Observatorium nahe London erreichte dieser Zeitmesser sensationelle 91,9 Punkte. Und dieser Wert wurde in den anschließenden zehn Jahren nicht mehr übertroffen. 1912 begab sich William Baume mit neuen Produkten auf Reisen. Im Genfer Uhren- und Juweliergeschäft Haas lernte er den Uhrmacher und Juwelier Paul Mercier kennen. Wegen umsichtiger Geschäftsleitung sowie bemerkenswerter handwerklicher Fertigkeiten hatte sich der geborene Tschereditschenko einen anerkannten Namen gemacht. Kein Wunder also, dass die Begegnung nicht ohne Folgen blieb. Immer wieder traf man sich. Irgendwann waren beide von einem gemeinsamen Weg in die Zukunft überzeugt. Gegenseitige Sympathie mündete am 26.11.1918 im Vertrag zur Gründung von Baume & Mercier.
Als Geschäftssitz wählte das Duo aus guten Gründen Genf, denn von dort aus konnte man sich die beste Expansion erwarten.
1921 präsentierte Baume & Mercier der Genfer Industrie‑ und Handelskammer eine ganze Reihe hochwertiger Uhrwerke. Wegen ihrer außergewöhnlichen Präzision erhielten sie den renommierten „Poinçon de Genève“. Drei Jahre lang durfte die Firma fortan einzelne Uhren mit dem Genfer Siegel punzieren. 1937 zogen sich zuerst William Baume und dann auch Paul Mercier aus dem Tagesgeschäft zurück. Dafür trat der Juwelier Constantin de Gorski in das Unternehmen ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte die hohe Nachfrage einen großen Aufschwung mit sich. Baume & Mercier konzentrierte sich auf klassische Herrenuhren, sportliche Chronographen und Damen‑Schmuckuhren. Diese Erfolge und die verstärkte Belieferung ausländischer Märkte verlangte nach Ausweitung der Uhrenfertigung. Nachdem der in Genf verfügbare Platz nicht ausreichte, erfolgte -unter Beibehaltung des Stammsitzes an der Rhône- eine Verlagerung in das rund 700 Einwohner zählende Dörfchen La Côte‑aux‑Fées. Am Feenhügel im Kanton Neuchâtel war bereits Piaget & Cie. ansässig. In der weiteren Geschichte von Baume & Mercier spielte diese Uhrenfirma noch eine wichtige Rolle. 1965 übernahm die Familie Piaget knapp zwei Drittel der Baume & Mercier Aktien. Dieser Deal bildete die Grundlage für weitere Expansion, darunter u.a. die Errichtung von Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Verkauf an Cartier
Ab 1970 setzte Baume & Mercier zunehmend auf Elektronik. Quarzwerke beseelten auch viele Exemplare der von Gérald Genta gestalteten und 1973 lancierten Riviera. 1983 verbaute die Firma das ‑vorläufig‑ letzte mechanische Uhrwerk in eine ihrer Armbanduhren. Andererseits bewirkte gerade die Quarz-Revolution mächtige Probleme. 1988 sahen sich Cristian und Yves Piaget gezwungen, sechzig Prozent ihrer Anteile an der Piaget Holding S.A. sowie der Baume & Mercier S.A. zu veräußern, Käuferin war die Cartier Monde S.A. mit Sitz in Paris. 1993 gingen Piaget und Baume & Mercier komplett ins Eigentum der Vendôme-Gruppe über. Heute firmiert diese als Richemont SA. In deren Portfolio kommt Baume & Mercier das Image einer Einsteigermarke zu. Nach einer schöpferischen Ruhepause gelangt 2021 die gründlich überarbeitete Riviera zurück in die Uhrenszene. In der Top-Version mit ADLC-beschichtetem Sichtboden-Stahlgehäuse verbaut die Traditionsmarke das exklusive Baumatic-Kaliber BM13-1975 mit Rotoraufzug, amagnetischen Eigenschaften und 120 Stunden Gangautonomie. Wer nur auf die Optik mit zwölfeckiger Lünette setzt, bekommt die neue Riviera auch mit einem einfachen aber zuverlässigen Automatikwerk von Sellita.
Gisbert L. Brunner