Cartier

Uhren vom König der Juweliere

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Cartier Santos: die am längsten ununterbrochen produzierte Armbanduhr

Gemeinhin gilt Cartier als König der Juweliere und Juwelier der Könige. Und genau das mag ein Grund dafür sein, dass viele diesen weltbekannten Namen in erster Linie mit Damenuhren verknüpfen. Dabei kann sich die Marke mit Fug und Recht rühmen, die am längsten ununterbrochen produzierte Armbanduhr in ihrer Kollektion zu führen. Entstanden ist die legendäre „Santos“ im Jahr 1904 für Alberto Santos Dumont.

Wie alles begann

Begonnen hat die illustre Geschichte mit dem Juwelier Louis François Cartier. 1847 übernahm der Sohn des Pariser Pulverhornmachers Pierre Cartier das Juweliergeschäft seines Lehrmeisters Adolphe Piccard. Die erste Begegnung mit Uhren erfolgte 1859 durch den An- und Verkauf einer Reihe historischer Taschenuhren. 1874 stieß Alfred Cartier hinzu. Der Enkel Pierres begann mit dem systematischen Ausbau der Uhrensparte. Für ihn waren nur beste Fabrikanten gut genug, Uhren mit der Signatur Cartier liefern zu dürfen. Dazu gehörten zum Beispiel ab 1893 Vacheron & Constantin oder nach der Wende zum 20. Jahrhundert auch Audemars Piguet. 1898 führte der Zusammenschluss mit dem ältesten Sohn Louis zur Gründung von „Alfred Cartier et Fils“. Ab 1899 fand man das noble Geschäft für Schmuck und Uhren in der weltweit ersten Luxus Einkaufsstraße. In besagter Pariser Rue de la Paix versammelten sich die damals bedeutendsten Juweliere und Modehäuser. Um die Jahrhundertwende konnte Cartier erstmals einen Jahresgewinn von mehr als einer Million Französische Francs verbuchen. Louis Cartier, seines Zeichens genialer Designer und Liebhaber alter Uhren des 18. Jahrhunderts beschloss den Aufbau einer eigenständigen Uhrenfertigung. Die Heirat mit Andrée Caroline Worth, der Tochter des damals wohl berühmtesten Modeschöpfers bescherte ihm als Mitgift auch die Begegnung mit der besseren Gesellschaft als künftiger Klientel. Dazu gehörte eben auch der in Paris lebenden brasilianischen Lebemann, Philanthrop und Flugpionier, für den Louis Cartier die bereits genannte Sternstunde in der Geschichte des Armbanduhrendesigns kreierte. Bis in die Gegenwart hat das damals sehr progressive Design der „Santos“ nichts von seinem Reiz eingebüßt. 2018 stellte Cartier im Rahmen des Genfer Uhrensalon SIHH eine komplett überarbeitete Version dieser ikonographischen Uhrenlinie vor. Bei Cartier führte anhaltender Erfolg 1908 zur Eröffnung von Filialen in Petersburg und New York. Den fünfstöckigen Morton Plant Palast an der New Yorker Fifth Avenue zahlte Cartier übrigens mit einem Collier, das 128 Orientperlen zieren.

Viele klassische Uhrenmodelle bei Cartier

Bis in die Gegenwart haben sich auch weitere Armbanduhren Designs mit großem Erfolg gehalten, darunter beispielsweise

  • 1906 die „Tonneau“, zu Deutsch „Fässchen“,
  • die 1913 erschienenen „Tortue“ Modelle,
  • die 1917 entworfene und ab 1919 verkaufte „Tank“ mit rechteckiger Schale,
  • die 1932 kreierte „Pasha“ mit wasserdichtem Outfit oder
  • 1933 die „Vendôme“ mit patentierten zentralen Bandanstößen.

Beträchtliche Probleme zog der Tod Louis Cartiers am 23. Juli 1942 nach sich. Weil die Nachkommen außerstande waren, das große Erbe in angemessener Weise fortzusetzen, endete eine Goldene Epoche. Fortan zehrte die Marke von der Hinterlassenschaft mehrerer Generationen. Neben den hauseigenen Klassikern trugen Zeitmesser u.a. von Audemars Piguet, Jaeger-LeCoultre, Movado, Patek Philippe, Piaget oder Vacheron & Constantin auch den Namen Cartier.

Comback und Turnaround 1979: „Must de Cartier”

Ab 1962 erfolgte sein schrittweises Comeback, beflügelt durch das 1968 vorgestellte Feuerzeug. Eine wirklich neue Epoche brach 1972 mit dem Erwerb der Cartier-Paris-Aktien von durch clevere Investoren an. Alain Dominique Perrin, der 1969 zur SA Briquet Cartier gestoßen war, setzte schaffte ab 1976 mit der Uhrenlinie „Must de Cartier” einen Turnaround. 1979 erfolgte die Bündelung aller weltweiten Beteiligungen unter dem Dach der „Cartier Monde”. Weitere bemerkenswerte Schritte in der Firmengeschichte waren 1981 die Fusion der „Cartier-Joaillerie-SA” und der „Les Must de Cartier SA”. 1993 wurde die Cartier Monde wichtigster Bestandteil der Vendôme Luxury Group, welche 2000 zur Luxus-Holding Richemont SA mutierte.

Eigene Uhrwerke seit 2009

2009, im 162. Jahr der Firmengründung wartete Cartier erstmals mit eigenen Uhrwerken auf. Diese Kaliber-Offensive, welche ein transparentes Handaufzugswerk und einen außergewöhnlichen Chronographen beinhaltete, demonstrierte ein neues Verständnis von Uhrmacherkunst. Die dafür nötigen Fertigungsstätten stehen in der Schweizer Jurametropole La Chaux-de-Fonds und der Genfer Dependance. Im Laufe der anschließenden Jahre entstanden immer anspruchsvollere Komplikationen, darunter Tourbillons, ewige Kalender, Repetitionsschlagwerke oder alles zusammen.

Allerdings zeigte sich hier die eingangs erwähnte Achillesferse. Männer konnten und wollten sich mit komplexer Mechanik von Cartier nicht so richtig anfreunden. Daher hat das französische Management die uhrmacherischen Höhenflüge des mit Abstand größten Mitgliedes der Richemont-Gruppe inzwischen wieder beendet. Gleichwohl bescheren jährlich rund eine halbe Million Zeitmesser etwa 1,65 Milliarden Schweizerfranken Umsatz.

Gisbert L. Brunner

Bekannte Cartier Uhren

  • Cartier Santos

  • Cartier Santos-Dumont

  • Cartier Tank Solo

  • Cartier Tank Française

  • Cartier Tank Américaine

  • Cartier Tank Louis Cartier

  • Cartier Tank MC

  • Cartier Panthère

  • Cartier Pasha