Girard-Perregaux
Wechselvolle Geschichte


Nach mehreren Eigentümern seit 1906: Girard Perregaux
Die adelige Kundschaft erfreute sich auch an den parfümierten Treppen seines Geschäfts oder dem eigens gedrechselten Brennholz. Nach Bauttes Tod im Jahr 1837 übernahmen erst sein Sohn und sein Schwiegersohn die Firma, 1897 Felipe Hecht und schließlich dessen Sohn Juan Hecht. Letzterer übereignete 1906 sein berufliches Erbe dem Freund und Verwandten Constant Girard Gallet. Der war seit 1852 in La Chaux de Fonds als Uhrenfabrikant tätig. 1856 unterhielt er zusammen mit seiner Frau Marie Perregaux die gemeinsamen Firma Girard Perregaux. Präzision bestimmte dabei stets die Maximen. Zwischen 1851 und 1876 gewann das Unternehmerpaar mehrfach die Chronometer Wettbewerbe des Observatoriums Neuenburg. Zwischen 1867 und 1890 machten rund zwanzig Werke von sich reden, deren Besonderheit in drei goldenen Brücken bestand. Das Patent für deren Anordnung auf der Platine konnte Girard-Perregaux am 25. März 1884 entgegennehmen. Zu den besonders ausgefallenen Exemplaren gehört „La Esmeralda“, eine 1889 während der Pariser Weltausstellung gezeigte und logischer Weise mit einer Goldmedaille prämierte Savonnette mit kunstvoll dekoriertem Goldgehäuse. Die Geschichte der Armbanduhr hat Girard Perregaux von Anfang an entscheidend mitbestimmt. 1879 erfolgte im Auftrag der deutschen Kriegsmarine die Produktion der vermutlich ersten Serien Armbanduhren, insgesamt 2.000 Zeitmesser mit Kettenband. Erhalten geblieben ist leider kein einziges Exemplar.
1903 nahm Louis-Constant als letzter Girard das Ruder in die Hand. Im Zuge der Liquidation gingen 1928 die Markenrechte und das alte Hauptbuch von Jean-François Bautte an die Société de Banque Swiss (SBS). Von ihr kaufte die deutschstämmige Familie Graef im Folgejahr beides für 30.000 Schweizerfranken. Das Jahr 1933 brachte die feminine „Mimorex“ mit zwei Gesichtern. 1965 kreierte die Manufaktur das weltweit erste Automatikkaliber mit fünf Hertz Unruhfrequenz. Für diese Leistung erhielt sie 1966 den Jubiläumpreis des Neuenburger Observatoriums. Schließlich definierte Girard-Perregaux beim 1971 vorgestellten Kaliber GP 350 mit 32.768 Hertz den bis heute gültigen Frequenzstandard für Quarzuhren. Mangels familiärer Nachkommen gelangte die Traditionsmanufaktur 1979 unter das Dach des internationalen Handelshauses Desco von Schulthess. 1988 stand im Zeichen eines Management-Buyout. Die neuen Eigentümer wirtschafteten jedoch wenig erfolgreich.
Die bekanntesten Modelle: Laureato, Pour Ferrari & Sea Hawk
Ab September 1992 hießt der Eigentümer Luigi Macaluso. Unter der Ägide des 2010 im Alter von 62 Jahren verstorbenen Italieners entstanden ab 1994 zahlreiche Manufakturkaliber, darunter eine Familie extraflacher Automatikwerke 3000 und 3100 genannt. Als Zweitmarke etablierte der promovierte Rallyefahrer JeanRichard.
Schon im Frühjahr 2008 hatte sich der französische Luxus-Multi PPR (heute Kering) mit 23 Prozent beteiligt. Zu diesem Zeitpunkt lag die Jahresproduktion bei rund 20.000 im preislichen Luxussegment angesiedelten Uhren. In den meisten tickten Uhrwerke aus eigener Manufaktur. Bereits der damalige Kaufvertrag sah eine weitere Erhöhung des Anteils über 50 Prozent hinaus vor. Von dieser Option machte Kering nach dem überraschenden Ableben von Dottore Macaluso im Zuge einer Kapitalerhöhung Gebrauch. Unter dem Kering-Dach agiert Girard-Perregaux als kleinere Schwester der Manufaktur Ulysse Nardin.
Gisbert L. Brunner