Panerai

Militärisches wird zivil

Panerai

Panerai
Heutzutage ist die Uhrenmarke Panerai in aller Munde. Einmal liegt das an den opulenten Zeitmessern namens „Luminor“. Ihr charakteristisches kissenförmiges Gehäuse besitzt eine markante Schutzbrücke über der Krone. Darin integriert ist ein Hebel, welcher das Bedienelement zur Erzeugung der Wasserdichte fest gegen die massive Schale drückt. Wenn besagter Hebel zum Spannen der Zugfeder oder Stellen der Zeiger angehoben wird, steht er weit ab. Und genau hatten die Entwickler bei der 1956 patentierten Konstruktion auch beabsichtigt, damit die mit diesen Zeitmessern ausgestatteten Marinetaucher das sichere Verschließen des Gehäuses im Eifer des Gefechts nicht übersahen.

Die Panerai Luminor

Zu diesem Zeitpunkt war Panerai aber schon rund 100 Jahre alt. Die Geschichte beginnt mit „Guido Panerai & Figlio“, einem kleinen, 1860 in Florenz gegründeten Familienunternehmen. Sein Geschäftszweck bestand in der Kreation zuverlässiger Gerätschaft für die Nautik. Guiseppe und Maria Panerai, Guidos Kinder richteten in den 1930-er Jahren nahe beim Florentiner Dom das Uhren-Fachgeschäft „Orologeria svizzera“ ein. Zum Markenportfolio gehörte auch Rolex. Die Kooperation mit der Schweizer Manufaktur führte 1936 zu den ersten Prototypen einer eigenen Armbanduhr, entwickelt von den „Officine Panerai“, zu Deutsch die Panerai-Werkstätten für italienische Militär-Behörden. Vor dem Auftrag hatte die zuständige Kommission eine ganze Reihe serienmäßiger Uhren mit wasserdichter Schale eingehend geprüft und keine für gut genug befunden. Entweder leuchtete ihr Zifferblatt nicht stark genug oder die Gehäuse vermochten dem Wasserdruck nicht hinreichend zu widerstehen.  Erst die kissenförmige Panerai „Radiomir“ erfüllte die hochgesteckten Erwartungen. Im großen rundum verschraubten „Oyster“-Gehäuse aus Genf inneren tickte ein ebenfalls von Rolex aus Basis eines Cortébert-Kalibers hergestelltes Taschenuhr-Kaliber. Nach eingehender Erprobung orderten die Behörden zehn Exemplare, welche sich in den Diensten eines geheimen Spezialkommandos der italienischen Marine uneingeschränkt bewährten. Ab 1938 fand man die so genannte „Radiomir Panerai“ u.a. an den Handgelenken von Männern der „Gamma“-Gruppe, welche gewagte Unterwasser-Angriffe auf feindliche Schiffe übernahmen. Die Männer näherten sich ihren Zielen entweder schwimmend oder auf speziellen Torpedos. Durch die Verwendung einer Spezialmischung aus Zinksulfat, Radiumbromid und Mesothonum besaßen Ziffern und Zeiger eine besonders hohe Leuchtkraft. Somit konnten die Uhren auch bei völliger Dunkelheit abgelesen werden, was die Gefahr einer Entdeckung durch den Feind erheblich verringerte.

Renaissance seit 1997

Nach dem Ende des Kalten Kriegs ging es Panerai wirtschaftlich schlecht. Die Renaissance ab 1997 unter dem Dach der Richemont-Gruppe ist einem Zufall zu verdanken. Für Dreharbeiten zum Film „Daylight“ weilte Silvester Stallone irgendwann 1994 in Florenz. Dort begeisterten ihn neben der Schauspielerei auch die Architektur, Kunst und Kultur seines Herkunftslands. Im weiterhin existenten Uhrenladen entdeckte der Hollywoodstar die nunmehr zivilen, aber immer noch imposanten Zeitmesser der Officine Panerai. Er erwarb ein Exemplar und trug es auch in besagtem Thriller. Nach Fertigstellung des Streifens orderte der Schauspieler weitere Stücke für seinen Freundeskreis. Eine dieser Armbanduhren erreichte und gefiel auch Johann Rupert. Der Mehrheits-Eigentümer des Richemont-Konzerns erteilte den Auftrag zum Kauf von Panerai. Auch unter neuer Herrschaft änderte sich nichts an der Produktphilosophie. „Radiomir“ und „Luminor“ bestimmen die Modellpolitik.

Beträchtlicher Wertzuwachs der „vor-A-Serie“ von 1997

Wer 1997 eine der 1000 stählernen „Luminor“, Referenz 6502, mit dem COSC-zertifizierten Handaufzugskaliber OP II auf Basis des Eta-Unitas 6497 für 4.700 Mark erwarb, kann sich freuen. Diese Armbanduhr der so genannten „vor-A-Serie“, Seriennummer BB 97xxxx, erfuhren einen beträchtlichen Wertzuwachs. Gleiches gilt zum Beispiel für die insgesamt vier „Luminor Submersible Bronzo“- Modelle mit martialisch anmutender Bronzeschale oder andere limitierte Panerai-Modelle.

Ab Oktober 2002 beschäftigte sich bei der Schwester ValFleurier eine Arbeitsgruppe mit der Entwicklung exklusiver Panerai Kaliber. Schon im Zuge ihrer Konstruktion ging es auch um unterschiedliche Zusatzfunktionen wie Drehgang, Chronograph oder Zeitzonen-Dispositiv. Im September 2005 debütierten die ersten 250 Exemplare des Handaufzugskalibers P 2002. Seitdem ist die Familie hauseigener Kaliber kontinuierlich gewachsen. Eher leise ging schließlich Ende 2013 die Eröffnung des neuen Manufakturgebäudes in Pierre-à-Bot bei Neuchâtel über die Bühne. Im rund 10.000 Quadratmeter großen Bauwerk ist alles versammelt, was es zur Herstellung von Armbanduhren aus eigener Manufaktur braucht. Runde Gehäuse spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle. Der Name Panerai verknüpft sich auch 2021 weiterhin fest mit jenen kissenförmigen Schalen, welche ab 1938 Geschichte schrieben.

Gisbert L. Brunner

Bekannte Panerai Uhren

  • Panerai Luminor

  • Panerai Luminor Marina

  • Panerai Luminor GMT

  • Panerai Radiomir

  • Panerai Submersible

  • Panerai Luminor Submersible Carbotech Carbon 616