Rolex
Uhrenmythos seit 1905


Die Anfänge von Rolex
Erstaunlicher Weise haben die Ursprünge einer der schweizerischsten aller Schweizer Uhrenmarken mit der Eidgenossenschaft anfangs nur teilweise zu tun. Geistiger Vater war der am 22. März 1881 im oberfränkischen Kulmbach geborene Hans Wilsdorf. Bereits mit zwölf war er Vollweise. Nach einer gediegenen kaufmännischen Ausbildung zog es den 19-Jährigen in den Westschweizer Jura. Als Mitarbeiter eines Uhrenexporteurs entdeckte seine wirkliche Berufung. 1903 packte Wilsdorf erneut seine Koffer, um in London erneut bei einem Uhr-Unternehmens zu arbeiten. Durch Vermittlung eines Anwalts kam der Bayer in Kontakt mit Alfred James Davis. Der Brite wollte sein Geld sinnvoll investieren. Nachdem Wilsdorf sein finanzielles Erbe bei der Schiffpassage nach England gestohlen worden war, lieh er sich das für den 1905 gegründeten Uhrengroßhandel Wilsdorf & Davis nötige Kapital bei seinen Geschwistern. Dem cleveren Kaufmann war nicht entgangen, dass die Zukunft auf dem Gebiet der noch als Modenarrheit verspotteten Armbanduhren lag. Um solche mit hoher Präzision anbieten zu können, kaufte er hochwertige Werke bei der in Biel ansässigen Firma Aegler. Die damit ausgestatteten Zeitmesser verkauften sich derart gut, dass regelmäßiger Nachschub aus der Schweiz nötig wurde.
Aus dem „rolling export“ wird Rolex
Aus dem „rolling export“ bildete Wilsdorf das 1908 rechtlich geschützte und in allen Ländern leicht aussprechbare Kunstwort Rolex. Am Zifferblatt ließen die nur fünf Buchstaben noch Platz für den damals üblichen Namen des Verkäufers. Die guten Beziehungen zum Werkelieferanten führten 1914 zur Umwandlung von „Les Fils de Jean Aegler ‑ Fabrique Rebberg“ in die „Rolex Watch Co., Aegler S.A., Manufacture d’Horlogerie, Usine du Rebberg“. In London agierte die „Wilsdorf & Davis, Rolex Watch Company“. Der Erste Weltkrieg ließ auch über Rolex dunkle Wolken heraufziehen, was Hans Wilsdorf nach Genf blicken ließ. Dort gründete er 1920 die „Montres Rolex S.A.“, deren alleiniger Inhaber und Direktor Wilsdorf war.
Damit gab es auf Schweizer Boden zwei rechtlich voneinander unabhängige, aber durch den Namen eng verknüpfte Firmen. Rolex Biel entwickelte und fertigte die Uhrwerke, Rolex Genf produzierte fertige Uhren und vermarktete diese. Die mit strikter Gütertrennung praktizierte Ehe endete 2014, als die Familien Borer und Cottier-Aegler ihre Bieler Manufacture des Montres Rolex für schätzungsweise gut zwei Milliarden Franken an die Genfer Hans Wilsdorf-Stiftung veräußerte. Diese hatte der kinderlose Patron 1945 nach dem Tod seiner ersten Ehefrau ins Leben gerufen.
1952 heiratete Hans Wilsdorf erneut. Den Umzug des Unternehmens in das neue, von einem künstlichen Wasserlauf umgebene Firmengebäude an der Genfer Rue François‑Dussaud konnte er allerdings nicht mehr miterleben. Er starb am 6. Juli 1960 in seinem auf der Südseite des Genfer Sees gelegenen Sommersitz „Escale Fleurie“.
Mit Rolex verknüpft sich eine ganze Reihe von Pionierleistungen, darunter der offiziell geprüfte Chronometer fürs Handgelenk, das verschraubte wasserdichte Uhrengehäuse, Oyster genannt, und der automatische Aufzug durch eine unbegrenzt drehende Schwungmasse. Zum Tragen kommen die genannten Errungenschaften in nicht minder bahnbrechenden Armbanduhren. Die 1945 vorgestellte „Datejust“ mit Fensterdatum wurde in den USA zur Uhr des 20. Jahrhunderts gewählt. Weitere von Wilsdorf entwickelte Modelle, welche aus der Uhrengeschichte nicht mehr wegzudenken sind, heißen „Explorer“, „Submariner“, „GMT-Master“, „Day Date“, „Milgauss“ und „Airking“. Sie, verschiedene Chronographen, darunter die heiß begehrte „Daytona“ sowie Modelle wie „Yacht Master“, „Sea-Dweller“ und „Sky-Dweller“ liefern beredte Beweise, dass es nicht nötig oder sogar eher schädlich ist, in regelmäßigen Abständen völlig neue Modelle vorzustellen. Besagte Wertstabilität resultiert daher, dass eine Rolex Oyster, ganz egal von wann sie stammt, ihre Besitzerin oder ihren Besitzer niemals alt aussehen lässt. Ganz im Gegenteil: Für betagte Modelle wie beispielsweise die von James Bond 007 getragene „Submariner“ zahlen Sammler inzwischen ein Vermögen. Und es sieht nicht so aus, als ob sich hier eine Blase bilden würde.
Wer heute eine Rolex erwirbt, bekommt damit beinahe hundertprozentige Fertigungstiefe, die bis hin zur winzigen Unruhspirale reicht. 2012 konnte Rolex zur Werkeproduktion in Biel ein 300 Meter langes architektonisches Gesamtkunstwerk mit rund 400.000 Kubikmetern umbauten Raums eröffnen. Funktionalität, Präzision, Qualität, Energieeffizienz und das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz oben. Als „Chronometer der Superlative“ gehen alle Armbanduhren von Rolex täglich nicht mehr als minus oder plus zwei Sekunden falsch. Außerdem gibt Rolex beruhigende fünf Jahre Garantie.
Gisbert L. Brunner