Glashütte

Befreit vom sozialistischen Erbe

Glashütte

Glashütte
Im Orchester der Swatch Group Uhrenmarken nimmt Glashütte Original mit einem geschätzten Umsatz von rund 36 Millionen Euroeinen der hinteren Plätze ein. Pro Jahr entstehen in Müglitztal etwa 15.000 Armbanduhren. Alles begann mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Am 8. Mai 1945 fügten russische Jagdflieger dem einstigen Mekka deutscher Präzisionsuhrmacherei schwerste Schäden zu. Trotzdem stellten die zähen Sachsen schon 1946 erste Nachkriegs-Uhrwerke her. Am 1. Juli 1951 gingen die „Glashütter Uhrenbetriebe“ an den Start. Im Volkseigenen Betrieb bündelte das sozialistische Regime alle ehemaligen Glashütter Uhr-Aktivitäten. Dabei blieb vom einstigen Glanz jedoch kaum etwas über. Die neuen Machthaber wollten einfache aber zuverlässige Uhren fürs Volk und genau gehende Marinechronometer. Nichts im Sinn hatten sie dagegen mit luxuriösen Produkten.

Glashütte Original

Im Westen lebte der Name Glashütte daher nur durch seine großartige Vergangenheit weiter. 1989 brachte den Fall der trennenden Mauer und Deutschland die so genannte „Wende”. Allerdings vollzog sich die Rückkehr zur Tradition mechanischer Präzisionsuhren zunächst nur in den Träumen angestammten Glashütter. Nach mehreren gescheiterten Wiederbelebungsversuchen und zähen Verhandlungen kamen im Oktober 1994 bei Glashütte Original zwei fränkische Unternehmer zum Zug. Ab dem Frühjahr 1995 vollzog sich auch beim Glashütter Uhrenbetrieb ein Wandel hin zum Besseren. Die vorhandenen mechanischen Uhrwerke erfuhren eine Optimierung. Und neue Kaliber gesellten sich hinzu. Darunter ein „fliegend“ gelagertes Tourbillon nach Altmeister Alfred Helwig. 2000 machten der „PanoRetroGraph“ mit Rückwärtszähler und die „Senator Klassik“ mit ewigem Kalender von sich reden.

Schon 1999 hatte der Schweizer Investmentfonds Aureus Private Equity 51 Prozent von Glashütte Original übernommen. Ab Oktober 2000 gehörte das Unternehmen zu 100 Prozent der eidgenössischen Swatch Group. Nach gründlicher Renovierung offerierte und offeriert die Gläserne Uhrenfabrik Führungen durch die mechanische Erlebniswelt. Ende 2004 hatten schon gut siebentausend Besucher aus aller Welt von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Und viele weitere folgten. Beim Rundgang erlebten sie wie das Kaliber 61 mit Chronograph entsteht, das Handaufzugskaliber 65-01 mit klassischer Dreiviertel-Platine oder die Automatik-Version 90 mit Dreiviertel-Rotor. Die 2005 lancierte Kaliberfamilie 100 besitzt einen Zentralrotor sowie einen ausgeklügeltem Nullstellmechanismus für den zentral positionierten Sekundenzeiger. Einen Schleppzeiger-Mechanismus besitzt das 2007 vorgestellte Handaufzugskaliber 99. Und 2014 brach mit dem komplett selbst entwickelten und gefertigten Automatikkaliber 37 eine gänzlich neue Ära an. Ab 2012 widmete sich Glashütte Original dem Thema Weltzeit. In diesem Jahr debütierte das „Grande Cosmopolite Tourbillon“ mit Indikation aller 37 Zonenzeiten und einem ewigem Kalender. 2015 brachte den weniger komplizierten aber in Sachen Zonenzeiten nicht minder funktionalen „Senator Cosmopolite“.

In punkto Produktionskosten beträgt die Wertschöpfung bei Glashütte etwa 95 Prozent. Platinen, Brücken, Hebel und Federn, Schrauben, Triebe und Räder stehen auf der Liste eigener Produkte. Allein bei Lagersteinen, Unruhspiralen und Zugfedern kommt die Einkaufsabteilung zum Zuge. Sonst würde diese vollkommen arbeitslos. Natürlich spielt bei allem die Hebung von Synergien innerhals der Swatch Group eine wichtige Rolle.

Nach der Eröffnung des Deutschen Uhrenmuseums Glashütte im Jahr 2008 bietet die Kleinstadt im ehemaligen „Tal der Ahnungslosen“ nochmals mehr. Es befindet sich im 1881 eingeweihten Gebäude der„Deutschen Uhrmacherschule Glashütte“. Auf zwei Etagen und 1000 Quadratmetern beherbergen die geschichtsträchtigen Mauern die gleichermaßen abwechslungsreiche wie spannende Historie der Uhrmacherkunst in dieser Gegend. Vom Foyer mit dem „Prolog“ und der legendären „Goertz“-Pendeluhr führen 24 Stufen ins erste Obergeschoss. Dort lässt sich beim Rundgang entlang eines Zeitstrahls auf anschauliche Weise erleben und bestaunen, was menschliche Tatkraft und Erfindungsgeist aus sehr bescheidenen Anfängen im Laufe von mehr als 150 Jahren entwickelt haben. Im Mittelpunkt stehen natürlich Glashütter Uhren aus allen Epochen in die Gegenwart, von klein bis groß.

Gisbert L. Brunner

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