Omega
Das Swatch Group Flaggschiff


1880, ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters Louis Brandt, mieteten die Söhne Louis‑Paul und César Brandt in Biel eine Etage an, um dort einen modernen Fabrikationsbetrieb für Uhren aufzuziehen. 1894 brachte das weltbekannte Markenzeichen Ω. Und das kam so: In der Manufaktur hatte ein neues Taschenuhrkaliber Serienreife erlangt. Selbiges bestach durch seine einfache Konstruktion und die damals beileibe noch nicht selbstverständliche Austauschbarkeit aller Teile. Insofern handelte es sich um den „letzten Schrei“, welcher nach einem zugkräftigen Namen verlangte. Hausbankier Henri Rieckel schlug „Omega“ vor, und lag damit goldrichtig. Ab 1903 firmierte das Unternehmen als „Louis Brandt & Frère ‑ Omega Watch Co.“. 1902, nach dem Ende des Burenkriegs, berichtete ein britischer Artillerieoffizier, dass Omega‑Armbanduhren unerlässlicher Teil der Feldausrüstung gewesen seien und die extremen Strapazen von Hitze und Kälte, von Regen und Sandstürmen gut überstanden hätten. 1909 betätigte sich Omega erstmals auf dem Gebiet der Sportzeitmessung.
1917 wählten die britische Luftwaffe und 1918 die amerikanische Armee Omega‑Uhren als offizielle Zeitmesser für ihre Kampfeinheiten.
Ein wichtiger Schritt in der Firmengeschichte ging 1925 über die Bühne. Zunächst schloss Paul Tissot mit Omega ein technisch‑kaufmännisches Übereinkommen ab. Dieses führte 1930 zur Gründung der Société suisse pour l’industrie horlogère S.A. mit Sitz in Genf. Neben Omega und Tissot gelangten im Laufe der Jahre und Jahrzehnte auch noch Lémania, Rayville (Blancpain), Lanco, Cortébert, Marc Favre, Hamilton sowie verschiedene Hersteller billiger Roskopf-Uhren unter das Dach besagter SSIH.
1932 trat Omega erstmals es offizieller Zeitnehmer bei Olympischen Spielen auf, und zwar in Los Angeles. Mit Unterbrechungen zahlt die Marke bis in die Gegenwart dafür, die Leistungen die Olympioniken messen und der Welt publizieren zu können. Gleichfalls 1933 trugen General Italo Balbo und seine 23 Piloten Omega Armband‑Chronographen anlässlich ihres Fluges Rom – Chicago ‑ Rom zur Feier des 10. Jahrestages der Machtergreifung Mussolinis.
Für die NASA: die Omega Speedmaster
1965 erkor die NASA den „Speedmaster“ Chronographen zum offiziellen Missions-Zeitmesser. Damit öffnete sich für Omega der Weltraum. Als Neil Armstrong am 21. Juli 1969 um 02 Uhr 56 GMT seinen Fuß auf den Mond setzte und den bedeutungsvollen Satz sprach „Es ist nur ein kleiner Schritt für einen Menschen, jedoch ein großer Schritt für die Menschheit“, trug er einen derartigen Stopper am Handgelenk. Mehr als fünfzig Raumfahrt-Unternehmungen begleiteten mechanische Chronographen dieses Namens. Auch der elektronischen Zeitmessung hat die Omega ihren Stempel aufgeprägt. Der 1974 vorgestellte Quarz „Marinechronometer“ wies nach 63 Tagen eine durchschnittliche tägliche Gangabweichung von 2/1000 Sekunden. Anhaltendes Missmanagement bescherten der SIHH im Jahr 1982 insgesamt 17 Millionen Schweizerfranken Verlust. Im Folgejahr gab es nur noch eine Möglichkeit der Rettung: Die Fusion mit der nicht minder verlustreichen Uhrengruppe ASUAG, welche unter ihrem Dach Marken wie Certina, Concord, Eterna, Longines, Mido, Rado sowie den Rohwerke-Multi Ebauches S.A. versammelt hatte. Der Zusammenschluss nannte sich erst ASUAG-SIHH und mündete 1984 in die SMH (Société Suisse de Micro-Électronique et d’Horlogerie SA), aus der schließlich die heutige Omega-Mutter Swatch Group erwuchs.
Zu den fortschrittlichen mechanischen Errungen der Omega gehört die vom englischen Meister-Uhrmacher George Daniels entwickelte „Co-axiale Ankerhemmung“. 1999 ging sie im Kaliber 2500, einem Derivat des Bestsellers Eta 2892-A2 an den Start. Massive Probleme verlangten danach zu einer umfassenden Optimierung. Alle aktuellen Kaliber verfügen über die modifizierte Ausführung dieser Hemmung. Für ihre natürlich exklusive Herstellung zeichnet die Schwester Eta verantwortlich. Die Fertigstellung und die Zertifizierung nach Kriterien des Eidgenössischen Instituts für Metrologie (METAS) zum „Master Chronometer“ erfolgt in Biel.
Gisbert L. Brunner